Politik

Déjà-vu

Kommen nach den Chaostagen von Hannover beim LPTNDS 2009.1 nun die Chaostage von Bingen?

Zumindest ist die Landschaft ist um einiges schöner als Langenhagen!

Ein paar Gedanken zum Verbraucherschutz

Durch die Linksammlung LXXIV des Shopbloggers bin ich gerade mal wieder zum Thema Verbraucherschutz oder besser Verbraucheraufklärung ins Grübeln geraten.

Was will ich als Verbraucher beim Lebensmittelkauf?

Ich will Produkte kaufen, die in Ihrer Zusammensetzung und Herstellung meinen moralischen, gesundheitlichen, umweltpolitischen und "geschmacklichen" Vorstellungen entsprechen.

  • Moralisch: Ich will nicht, dass für mein Essen ein Tier mehr als notwendig leiden musste (In letzter Konsequenz bedeutet die wohl den Verzicht auf tierische Produkte aber soweit bin ich [noch] nicht)
  • Gesundheitlich: Ich will soweit wie möglich einschätzen können, was der Verzehr dieser Speise für meine Gesundheit bedeutet. Klar ein dickes Stück Schokotorte oder eine Tüte Chips sind meiner Gesundheit bestimmt nicht förderlich, es geht mir allerdings um die versteckten Gesundheitsrisiken, die ich nicht einfach durch einen gesunden Menschenverstand oder Allgemeinbildung begreifen kann.
  • Umweltpolitisch: Ich will möglichst viel darüber wissen, welchen Umwelteinfluss die Herstellung meiner Nahrung hat. Das deckt sich natürlich recht weit mit den vorherigen beiden Punkten, denn bei einer gentechnisch veränderten Pflanze kann ich nicht sagen, welchen Einfluss diese auf meinen Körper oder ihre Umwelt hat, deswegen will ich weder, dass sie in meinen Körper gelangt, noch das sie überhaupt angebaut wird.
  • Geschmacklich: In meiner Vorstellung kommt Erdbeergeschmack aus Erdbeeren, Tomatengeschmack aus Tomaten etc. Ich will nicht, dass mir dieser Geschmack vorgegaukelt wird und wenn, dann will ich wissen, dass ich jetzt keinen Erdbeer-Joghurt sondern einen Holzsplittermiteinempilzdersochmecktwieerdbeer-Joghurt esse. Ich will auch nicht, dass der Holzsplittermiteinempilzdersochmecktwieerdbeer-Joghurt durch die Marketingabteilung so geschickt umschrieben wurde, dass ich denken könnte oder sollte, dass es doch ein Erdbeer-Joghurt ist.

Ich gebe zu: All diese "Vorgaben" an mein Einkaufverhalten von mir selbst an mich selbst erfülle ich nicht. Oft siegt die Bequemlichkeit oder der Zeitdruck, die mir sagen, nicht alle Zutaten vor dem Kauf zu studieren. Oft ist es aber auch ohne ein Studium in Lebensmittelchemie nicht möglich alle Zusammenhänge durch die Packungsaufschrift zu erkennen.

Was ist also hier die Lösung?

Meiner Meinung nach brutalstmögliche Aufklärung für den Verbraucher! Bestimmte Dinge wie gentechnisch veränderte Inhaltsstoffe, Geschmacksverstärker oder nicht artgerechte Tierhaltung müssen einfach plakativ auf die Verpackung um auch mich als "faulen Verbraucher" aufzurütteln.

Aber man kann nicht alles auf die Verpackungsvorderseite drucken, dafür hat jeder Verbraucher andere Bewertungsmaßstäbe. Andere reagieren evtl. auch allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe.

Vielleicht sollte man zusätzlich zu den plakativen Verpackungsinformationen die Hersteller verpflichten, diese auch in maschinenlesbaren Formaten auf der Verpackung anzubringen.

Wir leben in einer Informationsgesellschaft. Wenn auf jedem Fertignahrungsmittel ein 2D-Barcode angebracht ist, der Zutaten, Allergene und eine eindeutige Produkt-ID beinhaltet wäre es doch z.B. mit aktuellen Mobiltelefonen ein Leichtes diese Informationen auszulesen und in der Weise darzustellen, wie der Verbraucher es will. Wenn ich z.B. auf bestimmte Inhaltsstoffe allergisch reagiere, kann ich das Programm so einstellen, dass es mich beim Scannen der Ware davor warnt.

Oder ich kann diese Informationen mit einer Online-Datenbank abgleichen, die von einer Organisation wie Foodwatch betrieben wird.

Ich weiß, das wird viel "Widerstand" in der Lebensmittelindustire hervorrufen aber ich will selber entscheiden, was ich esse und mich von denen durch unklare Bezeichnungen nicht verarschen lassen.

Die Idee ist bestimmt noch nicht vollständig durchdacht, denn nicht jeder nennt ein solches High-Tech-Mobiltelefon oder ähnliches sein Eigen und auch für diese Personen sollte eine Möglichkeit geschaffen werden, diese Informationen abzurufen, aber ich denke dies wäre mal ein Schritt in Richtung eines aufgeklärten, mündigen Verbrauchers.

Wer ließt denn heute noch AGB?

Wie Golem.de berichtet, hat sich ein britischer Onlineshop am 1. April per AGB-Passus 7500 Seelen erschlichen.

Das ganze war zwar ein Aprilscherz, wie das Datum schon impliziert, wirft aber doch die Frage auf, was Unternehmer in Ihren AGB alles reinschreiben könnten und wann es dem ersten auffällt.

Klar, viele Onlineshopbetreiber würden auf eine ellenlange Rechtserklärung sehr gerne verzichten und alles wichtige in einfachen Worten erklären nur wenn Sie das machen würden, würde der nächste Abmahnhai recht schnell vorbeischwimmen und zubeißen.

Was hilft es den Verbraucher, wenn er erstmal ellenlange Rechtserklärungen lesen muss um online einzukaufen? Dann kann man fast genauso schnell im stationären Handel vorbeischneien denn hier ist es ganz einfach:

Händler: Ich verkaufe dir diese Waren für XX €
Kunde: Ich kaufe dir diese Waren für XX € ab

übereinstimmende Willenserklärungen, peng fertig.

Klar, online gibt es da schon mehr zu regeln, Widerrufserklärung, Versandkosten, Rücksendemodalitäten, Zahlungmodalitäten etc. Müsste man das im Supermarkt an der Kasse auch alles regeln würde es dort auch länger dauern.

Nur ist die Lösung hier, ellenlange AGB zusammenzustellen die eh kein Endkunde versteht und meistens einfach in der Form abnickt, dass es gar nicht erst versucht diese zu lesen oder zu verstehen?

Mann müsste als Verbraucher einfach konsequent sein und in keinem Online-Shop kaufen in denen man die AGB nicht versteht. und der Gesetzgeber müsste im Sinne des Verbraucherschutzes die Rahmenbedingungen schaffen, dass es dem Kunde ohne Rechtsanwalt ermöglicht wird, die Modalitäten eines Kaufvertrages zu verstehen.

Meine Wunschvorstellung ist da ja ein Text von 140 Zeichen :-) ein Text, der in der Länge maximal diesem hier entspricht und der in den Bestellablauf eingeblendet wird. kein extra Fenster, keine Checkbox. Die Auflistung der Waren, Versandkosten, Versand + Rechnungsadresse, Widerrufserklärung, Erklärung zur Gewährleistung, fertig.

Lesenswerter Artikel auf Telepolis

Der Irrsinn der GEZ: Steakhouse soll für Computerkassen zahlen

Wie golem.de berichtet, soll eine Steakhouse-Kette für Ihre Computer-Kassen Rundfunkgebühren zahlen.

Ich zahle gerne meine Rundfunkgebühren. Ich habe nie versucht mich bei der GEZ abzumelden, ich habe mich nach meinem Auszug zum Zwecke einer Berufsausbildung direkt angemeldet und würde nur ungern auf auf die öffentlich-rechtlichen verzichten. Bei den öffentlich-rechtlichen gibt es noch Nischen, die vor Kommerz geschützt Inhalte bieten, die sich sonst nicht lohnen würden.

Aber ist das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht hoffnungslos überholt? Sowohl was die Berechnung der Gebühren angeht, die Abhängigkeit von der Politik als auch was die "Grundversorgung" mit Inhalten angeht.

Beginnen wir mit der "Grundversorgung"

Für mich bedeutet dies, dass mich der öffentlich rechtliche Rundfunk mit allem versorgt, was von den privaten Anbietern nicht geleistet werden kann oder wo es bei den privaten Anbietern nicht genug Wettbewerb gibt um die Bevölkerung mit einem breiten Spektrum an unterschiedlichen Meinungen zu versorgen.

Dazu gehören für mich:

  • Nachrichten, denn hier wird bei den Privaten in letzter Zeit immer mehr gespart
  • Kultur, Theatervorstellungen, klassische und unpopuläre (nicht Mainstream) Musik, Literatur, denn hier sind die Werbeeinnahmen für die Privaten wohl zu gering um etwas vernünftiges auf die Beine zu stellen
  • Dokumentationen und Hintergrundberichte, die unabhängig recherchiert und präsentiert werden
  • "Bildungsfernsehen" wie Sprachkurse, Wissenschaftssendungen ohne Knalleffekte, Geschichtliche Dokumentationen
  • Kinderfernsehen ohne Werbeunterbrechung

Dazu gehören für mich auf jeden Fall nicht:

  • Unterhaltungssendungen wie Wetten Dass, das können die privaten auch, die Werbekunden (Haribo, Mercedes...) stehen ja schon beim ZDF Schlange
  • Populärsport wie Fußball, Olympische Spiele etc.
  • Telenovelas am Nachmittag
  • Quizschows
  • Blockbuster

Also im Grunde alles wo der Markt groß genug ist, dass sich mehrere Anbieter den Werbemarkt oder den Markt für Zahlungswille Kunden (Pay-TV) teilen können ohne das es zu einem (Meinungs-)Monopol kommen könnte.

Würden man das Programm auf diese "Grundversorgung" eindampfen, könnte man meiner Meinung nach schon einen guten Teil der Rundfunkgebühren einsparen.

Und dann von der politischen Unabhängigkeit

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird nicht aus Steuermitteln finanziert, um eine politische Einflussnahme auf die Journalisten zu verhindern, Trotzdem wird von Seiten der Politik Einfluss auf Journalistische Entscheidungen genommen, wie die die Geschehnisse aus der Nicht-Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender zeigen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll eine unabhängige Säule im demokratischen System sein? Dann sollten Institutionen wie der ZDF-Verwaltungsrat auch unabhängig agieren können. Ich denke das kann nur der Fall sein, wenn die Grundlagen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auch demokratisch verfasst sind, über ARD/ZDF Intendaten/Verwaltungsräte etc. auch von der Bevölkerung abgestimmt wird.

Zur Berechnung der Gebühren

Früher war alles einfach. Wer einen Fernseher besaß hat ARD, ZDF oder die dritten geschaut, wer ein Radio besaß hat öffentlich rechtlichen Rundfunk gehört.

Heute gibt es im Äther Konkurrenz, auch kann ich einen Fernseher nur dazu haben um einen DVD-Player anzuschließen. Ich muss zahlen weil ich konsumieren "könnte". Ich werde also "Zwangsversorgt" auch wenn ich gar nicht will.

Schlimmer noch bei den "neuartigen Empfangsgeräten" wie internetfähige Computer, Handys und Co. Hier ist das Angebot der öffentlich-rechtlichen ein verschwindend kleiner Teil des Gesamtangebotes, man kann also keinesfalls mehr davon sprechen, dass diese Geräte dazu angeschafft werden, öffentlich-rechtliche Inhalte zu konsumieren.

Wenn ich selbstständig bin, muss ich dann für den PC extra zahlen, denn der Fernseher, den ich privat angemeldet habe, wirkt sich nicht mehr auf den PC aus. Auch wenn ich während meiner Arbeitszeit wohl besseres zu tun habe als öffentlich-rechtliche Inhalte zu konsumieren, zum Beispiel auch Steaks kassieren.

Und zum vorläufigen, persönlichen Fazit

Ich bin mir nicht sicher, wie die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aussehen muss. In einer Pauschale pro Einwohner/pro Privathaushalt? Im öffentlich-rechtlichen Pay-TV wo nur Zahlende Zugang zu den Inhalten haben? In einer Kostenreduzierung auf die Wesentlichen Inhalte?

Auf jeden Fall denke ich, dass man eine Demokratisierung des Rundfunks anstreben sollte, denn wenn ich schon "gezwungen" werde für unabhängige Medien zu zahlen, würde ich gerne mitbestimmen, wie diese Unabhängigkeit aussieht.

Mein Senf zu unseres Vizekanzlers Aussagen

Nachdem ich schon im letzten Eintrag kurz auf die Aussagen unseres Vizekanzlers eingegangen bin, hier mal meine Meinung zu den Ganzen Thema:

Wenn Herr Westerwelle sagt:

Man muss in Deutschland sagen dürfen, dass derjenige, der arbeitet, mehr haben muss, als derjenige, der nicht arbeitet. Sonst funktioniert kein Sozialstaat.

Dann stimme ich ihm zu! Aber was will er uns damit sagen? Das die Löhne teilweise so niedrig sind, dass diese sich kaum noch von Harz4 unterscheiden und somit am Existenzminimum schrammen? Wohl kaum, sonst würde die FTP nicht immer gegen Mindestlöhne wettern und sonst würden die Aussagen, dass das Versprechen von "anstrengungslosen Wohlstand" zu "spätrömischer Dekadenz" einladen würde.

Nein, ich denke hier agiert Westerwelle berechnend, berechnend auf die Landtagswahlen in NRW hin. Die geplanten und durchgeführten Steuersenkungen müssen irgendwie finanziert werden und wenn bei einer Gruppe keine/kaum Wählerstimmen zu verlieren sind, dann bei denjenigen, die auf unser Sozialsystem angewiesen sind.

Was ich bei der ganzen Debatte vollkommen vermisse ist das keiner auf den genauen Urteilsspruch der Bundesverfassungsgerichtes eingeht. Ich zitiere hier mal die Leitsätze des Urteils, zu finden unter http://www.bundesverfassungsgericht.de/entscheidungen/ls20100209_1bvl000109.html

  1. Das Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums aus Art. 1 Abs. 1 GG in Verbindung mit dem Sozialstaatsprinzip des Art. 20 Abs. 1 GG sichert jedem Hilfebedürftigen diejenigen materiellen Voraussetzungen zu, die für seine physische Existenz und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind.
  2. Dieses Grundrecht aus Art. 1 Abs. 1 GG hat als Gewährleistungsrecht in seiner Verbindung mit Art. 20 Abs. 1 GG neben dem absolut wirkenden Anspruch aus Art. 1 Abs. 1 GG auf Achtung der Würde jedes Einzelnen eigenständige Bedeutung. Es ist dem Grunde nach unverfügbar und muss eingelöst werden, bedarf aber der Konkretisierung und stetigen Aktualisierung durch den Gesetzgeber, der die zu erbringenden Leistungen an dem jeweiligen Entwicklungsstand des Gemeinwesens und den bestehenden Lebensbedingungen auszurichten hat. Dabei steht ihm ein Gestaltungsspielraum zu.
  3. Zur Ermittlung des Anspruchumfangs hat der Gesetzgeber alle existenznotwendigen Aufwendungen in einem transparenten und sachgerechten Verfahren realitätsgerecht sowie nachvollziehbar auf der Grundlage verlässlicher Zahlen und schlüssiger Berechnungsverfahren zu bemessen.
  4. Der Gesetzgeber kann den typischen Bedarf zur Sicherung des menschenwürdigen Existenzminimums durch einen monatlichen Festbetrag decken, muss aber für einen darüber hinausgehenden unabweisbaren, laufenden, nicht nur einmaligen, besonderen Bedarf einen zusätzlichen Leistungsanspruch einräumen.

Das Bundesverfassungsgericht hat nicht entschieden, ob die Harz4-Regelsätze zu hoch oder zu niedrig sind, es hat entschieden, dass die Berechnung transparent und nachvollziehbar sein muss. Das kann ruhig pauschalisiert durch einen monatlichen Festbetrag erfolgen muss jedoch auch die Möglichkeit bieten, dass Personen, die zum decken Ihres Existenzminimums einen zur Pauschale erhöhten Bedarf haben, diesen auch zusätzlich bewilligt bekommen.

Besonders beachtenswert finde ich im ersten Leitsatz "... und für ein Mindestmaß an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben unerlässlich sind.". Wenn der Sozialstaat die Bezieher von Sozialleistungen nur ebene so am Leben hält (überspitzt ausgedrückt) und diese sich dadurch nicht mehr am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben beteiligen können werden Sie es auch schwer haben sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern. Es droht meiner Meinung nach nicht nur eine Zweiklassengesellschaft sondern eine Parallelgesellschaft von Personen, die sich keine Theaterkarten leisten können, Ihre Kinder nicht den Nachmittag mit Freunden ins Schwimmbad oder auf den Besuch auf der Uni finanzieren kann.

Besonders das die Berechnung der Kindersatzes einfach durch die Formel "70% eines Erwachsenen" gebracht wurde ohne den Bedarf von Kindern gesondert zu ermitteln scheint die Transparenz eines massiven Findlings zu haben. Besonders bei Kindern muss der Sozialstaat ein Auge darauf haben, dass diese die gleichen Chancen in Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe haben. Und dass das so ist sollte sich jeder Bürger, ob selber Betroffen oder nicht, nachvollziehen können.

Inhalt abgleichen