Wie golem.de berichtet, soll eine Steakhouse-Kette für Ihre Computer-Kassen Rundfunkgebühren zahlen.
Ich zahle gerne meine Rundfunkgebühren. Ich habe nie versucht mich bei der GEZ abzumelden, ich habe mich nach meinem Auszug zum Zwecke einer Berufsausbildung direkt angemeldet und würde nur ungern auf auf die öffentlich-rechtlichen verzichten. Bei den öffentlich-rechtlichen gibt es noch Nischen, die vor Kommerz geschützt Inhalte bieten, die sich sonst nicht lohnen würden.
Aber ist das Modell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht hoffnungslos überholt? Sowohl was die Berechnung der Gebühren angeht, die Abhängigkeit von der Politik als auch was die "Grundversorgung" mit Inhalten angeht.
Beginnen wir mit der "Grundversorgung"
Für mich bedeutet dies, dass mich der öffentlich rechtliche Rundfunk mit allem versorgt, was von den privaten Anbietern nicht geleistet werden kann oder wo es bei den privaten Anbietern nicht genug Wettbewerb gibt um die Bevölkerung mit einem breiten Spektrum an unterschiedlichen Meinungen zu versorgen.
Dazu gehören für mich:
- Nachrichten, denn hier wird bei den Privaten in letzter Zeit immer mehr gespart
- Kultur, Theatervorstellungen, klassische und unpopuläre (nicht Mainstream) Musik, Literatur, denn hier sind die Werbeeinnahmen für die Privaten wohl zu gering um etwas vernünftiges auf die Beine zu stellen
- Dokumentationen und Hintergrundberichte, die unabhängig recherchiert und präsentiert werden
- "Bildungsfernsehen" wie Sprachkurse, Wissenschaftssendungen ohne Knalleffekte, Geschichtliche Dokumentationen
- Kinderfernsehen ohne Werbeunterbrechung
Dazu gehören für mich auf jeden Fall nicht:
- Unterhaltungssendungen wie Wetten Dass, das können die privaten auch, die Werbekunden (Haribo, Mercedes...) stehen ja schon beim ZDF Schlange
- Populärsport wie Fußball, Olympische Spiele etc.
- Telenovelas am Nachmittag
- Quizschows
- Blockbuster
Also im Grunde alles wo der Markt groß genug ist, dass sich mehrere Anbieter den Werbemarkt oder den Markt für Zahlungswille Kunden (Pay-TV) teilen können ohne das es zu einem (Meinungs-)Monopol kommen könnte.
Würden man das Programm auf diese "Grundversorgung" eindampfen, könnte man meiner Meinung nach schon einen guten Teil der Rundfunkgebühren einsparen.
Und dann von der politischen Unabhängigkeit
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird nicht aus Steuermitteln finanziert, um eine politische Einflussnahme auf die Journalisten zu verhindern, Trotzdem wird von Seiten der Politik Einfluss auf Journalistische Entscheidungen genommen, wie die die Geschehnisse aus der Nicht-Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender zeigen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll eine unabhängige Säule im demokratischen System sein? Dann sollten Institutionen wie der ZDF-Verwaltungsrat auch unabhängig agieren können. Ich denke das kann nur der Fall sein, wenn die Grundlagen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auch demokratisch verfasst sind, über ARD/ZDF Intendaten/Verwaltungsräte etc. auch von der Bevölkerung abgestimmt wird.
Zur Berechnung der Gebühren
Früher war alles einfach. Wer einen Fernseher besaß hat ARD, ZDF oder die dritten geschaut, wer ein Radio besaß hat öffentlich rechtlichen Rundfunk gehört.
Heute gibt es im Äther Konkurrenz, auch kann ich einen Fernseher nur dazu haben um einen DVD-Player anzuschließen. Ich muss zahlen weil ich konsumieren "könnte". Ich werde also "Zwangsversorgt" auch wenn ich gar nicht will.
Schlimmer noch bei den "neuartigen Empfangsgeräten" wie internetfähige Computer, Handys und Co. Hier ist das Angebot der öffentlich-rechtlichen ein verschwindend kleiner Teil des Gesamtangebotes, man kann also keinesfalls mehr davon sprechen, dass diese Geräte dazu angeschafft werden, öffentlich-rechtliche Inhalte zu konsumieren.
Wenn ich selbstständig bin, muss ich dann für den PC extra zahlen, denn der Fernseher, den ich privat angemeldet habe, wirkt sich nicht mehr auf den PC aus. Auch wenn ich während meiner Arbeitszeit wohl besseres zu tun habe als öffentlich-rechtliche Inhalte zu konsumieren, zum Beispiel auch Steaks kassieren.
Und zum vorläufigen, persönlichen Fazit
Ich bin mir nicht sicher, wie die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aussehen muss. In einer Pauschale pro Einwohner/pro Privathaushalt? Im öffentlich-rechtlichen Pay-TV wo nur Zahlende Zugang zu den Inhalten haben? In einer Kostenreduzierung auf die Wesentlichen Inhalte?
Auf jeden Fall denke ich, dass man eine Demokratisierung des Rundfunks anstreben sollte, denn wenn ich schon "gezwungen" werde für unabhängige Medien zu zahlen, würde ich gerne mitbestimmen, wie diese Unabhängigkeit aussieht.